17.10.2018

Besuch von den Ruhr Nachrichten zum Thema Pflege-Auszubildende

Als Auszubildende zu Gesundheits- und Altenpflegerinnen lernen Jasmin Wissemann und Sarah Ballosch in einer Branche mit nicht dem besten Ruf. Für sie ist die Arbeit eine Herzenssache.

Von Peter Bandermann

Otto Middelmann ist 83 Jahre jung und ein Kunde beim Pflegedienst Hübenthal. Als die Pflege-Auszubildenden Jasmin Wissemann und Sarah Ballosch sein Wohnzimmer betreten, erscheint der durch das Sonnenlicht geflutete Raum noch einmal heller und freundlicher.

Die beiden „jungen Damen“, wie Otto Middelmann sie nennt, bringen mit ihrem Lächeln und Auftreten viel Leben in die Bude. Den Blutdruck messen, ein Pläuschchen halten und Händchen halten – der 83-Jährige genießt den Moment nicht allein, denn auch Jasmin und Sarah sind gerade voll in ihrem Element.


Die Not in der Pflegebranche

Beide lernen im dritten Ausbildungsjahr in einer Branche, die wegen schlechter Bezahlung und hohem Leistungsdruck in Verruf geraten und politisch über Jahrzehnte vernachlässigt worden ist. Aber neben der monatlichen Gutschrift auf dem Girokonto durch den Ausbildungsbetrieb Hübenthal bezahlen die Kunden die beiden Auszubildenden mit einer Währung, für die sie sich nichts kaufen können, die aber trotzdem wertvoll ist: „Es macht uns Spaß, Menschen glücklich zu sehen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.“ Und: „Klar, am Anfang sind Gerüche nach Urin und Fäkalien erst einmal seltsam. Aber das ist schnell überwunden.“
Der Pflegeberuf: Ambulant wie stationär bedeutet das Stress, also Arbeit bei hoher Verantwortung unter hohem Zeitdruck und bei geringer Wertschätzung. Wer pflegt, muss funktionieren. Was Mitarbeiter-Rechte oder Gehälter angeht, hängt das Pflege-Personal am Tropf. Politiker und sogar Gewerkschaften haben diese Branche über Jahrzehnte vernachlässigt.

Jasmin Wissemann und Sarah Ballosch kennen diese Probleme, reden im Gespräch über diesen außergewöhnlichen Ausbildungsberuf aber nicht über die Probleme, sondern bevorzugt über die Menschen, mit denen sie täglich zu tun haben. „Bevor ich gehe, will ich noch ein paar Minuten Zeit für ein gutes Gespräch mit ihnen haben“, sagt die 21-jährige Jasmin.


Pflege und vertrauliche Gespräche

Die Gespräche seien sehr vertraulich: „In diesen Gesprächen geht es um alles. Um die Vergangenheit, um die Gegenwart, um den Alltag. Meine Kunden wollen auch wissen, wie es mir geht. Man kann das Privatleben nicht komplett weglassen.“ Als Sarah und Jasmin das Haus von Otto Middelmann verlassen haben, war auch er ein Thema: Dass er schön gelächelt habe und so freundlich war.

Sie sprechen von einem Vertrauens-Verhältnis zu ihren Kunden, für das in einer durchgetakteten Tour die notwendige Zeit gewonnen werden müsse. „Natürlich reden wir die ganze Zeit, aber bei der Pflege oder den Medikamenten ist dann volle Konzentration angesagt“, erklärt Sarah (19), „und dann ist hoffentlich die Zeit, um sich noch mal extra hinsetzen zu können.“


Bei der Arbeiterwohlfahrt hat es Klick gemacht

Nach der Schule wollte Jasmin „einfach mal was ausprobieren.“ Sie absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Arbeiterwohlfahrt in Kirchlinde. Am Anfang sei das seltsam gewesen. „Aber nach ein paar Wochen war mir klar: Die Arbeit mit älteren Menschen macht mir Spaß.“ So ganz nebenbei absolvierte sie damals noch eine Ausbildung zur Betreuungsassistentin, organisierte Ausflüge oder begleitete Mitmenschen zu Ärzten. Zwischendurch bei der Awo hörte sie immer wieder mal den Satz „Jasmin, kannst du mal helfen?“ – Jasmin konnte. „Es hat Klick gemacht. Ich kann mir bis heute keinen anderen Beruf vorstellen.“

Sarah lernt zwar erst im dritten Ausbildungsjahr für ihren Traumberuf, aber dass sie diesen Weg einschlägt, verdankt sie ihrer Mama, Ramona Ballosch. Die 47-Jährige ist nicht nur die Mutter der 19-Jährigen, sondern als Pflegedienstleiterin bei Hübenthal auch ihre Chefin. „Diesen Beruf habe ich mir bei meiner Mutter abgeguckt. Sie hat zu Hause immer viel von ihrer Arbeit erzählt. Irgendwann war mir klar: Das will ich auch machen.“

„Direkt am Menschen zu arbeiten oder ihn glücklich zu sehen, obwohl er doch einsam ist, oder so ein ehrliches Dankeschön zu hören, wenn es ihm nicht gut geht und man ihn in den Arm genommen hat – genau das ist mein Beruf.“ Nichts davon steht im Leistungskatalog, mit dem die ambulanten Pflegedienste ihre Kosten abrechnen. Aber „die Menschlichkeit gehört zum Wohlbefinden dazu“, sagen beide Auszubildenden. „Voll schön“ sei es auch, wenn es nach mehreren Wochen Theorie in der Schule zurück in den Betrieb und „auf die Tour geht“: „Die Leute freuen sich, wenn sie uns wiedersehen, und sie sagen uns das auch.“


Fakten für die Ausbildung im Pflegeberuf

Zu den harten Fakten: Wer sich für die Gesundheits- und Altenpflege bewirbt, sollte mindestens einen guten Hauptschulabschluss besitzen, zuverlässig, diskret, pünktlich, ehrlich, kommunikativ und ein Teamspieler sein. Einen bundesweit einheitlichen Ausbildungstarif gibt es nicht. Die Betriebe zahlen unterschiedlich. Zur Orientierung die Euro-Angaben des Pflegedienstes Hübenthal:
• 1. Jahr: 750 Euro netto.
• 2. Jahr: 815 Euro netto.
• 3. Jahr: 900 Euro netto.

„Es gibt Betriebe, die zahlen mehr, zum Beispiel die Stadt. Andere zahlen deutlich weniger“, berichtet Jasmin. Im ersten Berufsjahr gibt es 2300 Euro brutto bei einer Fünf-Tage-Woche. Pflegedienstleiterin Ramona Ballosch empfiehlt Interessenten ein mindestens eine Woche dauerndes Praktikum, bevor sie sich bewerben. In dieser Zeit sollten potenzielle Bewerber erkennen, ob sie „mehr machen wollen als nur die Pflege. Sie müssen Freude daran haben, sich um einen Menschen zu kümmern.“


Pflege-Auszubildende: „Die Nachfrage nach gutem Personal ist enorm groß“

Pflege-Berufen weist Hübenthal-Geschäftsführer Robert Kunze ein großes Zukunftspotenzial zu: „Die Nachfrage nach gutem Personal ist enorm groß. Die Branche leidet darunter, dass die Mitarbeiter nicht so gut organisiert sind wie die IG Metall oder andere Gewerkschaften. Arbeitgeber müssten professionell planen und dürften die Teams nicht überfordern. Robert Kunze: „Auch die Freizeit muss organisiert sein. Dafür muss es zuverlässige Dienstpläne geben.“

Manchmal vermisst Ramona Ballosch bei lernenden Kolleginnen und Kollegen Respekt und Pflichtbewusstsein. Aber das sei selten, und „wir haben Glück.“ Abgesehen davon: Erfahrenes Personal könne von den Auszubildenden noch viel lernen – denn: „Während meiner Ausbildung zur Krankenschwester vor 29 Jahren war es nicht erwünscht, dass wir Fragen stellen. Unsere Auszubildenden heute stellen aber Fragen. Sie hinterfragen auch das System. Genau das finde ich gut.“ Sie spürt das, was zwingend Voraussetzung für diesen Beruf sei: „Da muss ein gewisses Feuer sein.“ Wer so sehr für diesen Beruf brenne, könne schon nach vier bis sechs Wochen eine Grundpflege selbstständig vornehmen.


Die erste selbstständige Tour

Sarah hat schon ihre erste selbstständige Tour hinter sich. „Ich war nervös und musste auf viele Kleinigkeiten achten. Am dritten Tag war alles gut. Jasmin hat die erste eigene Tour an diesem Donnerstag noch vor sich. „Hoffentlich vergesse ich nichts“, sagt sie. Otto Middelmann dürfte ganz beruhigt sein. Wenn Jasmin und Sarah in der Tür stehen, dann scheint die Sonne.




UNSER THEMEN-ARCHIV
17.10.2018 Besuch von den Ruhr Nachrichten zum Thema Pflege-Auszubildende
22.08.2018 Ein Wort zum Fachkräftemangel
01.08.2018 BKK Untersuchung zur Pflege in Nordrhein-Westfalen
04.06.2018 MDK-Note 1,0 bestätigt
10.04.2018 Vortrag bei der KVWL
09.04.2018 EU-Minister bei Smart Service Power
12.02.2018 Der GroKo voraus
12.12.2017 Neues Forschungsprojekt
12.12.2017 Weihnachtsgeld
18.10.2017 Bericht zur Feier
13.10.2017 Feier zum 25-jährigen Bestehen
12.10.2017 Weltweiter Hospiz-Tag
01.10.2017 25 Jahre Pflegedienst Hübenthal GmbH
17.01.2017 Verstärkung in der Pflegedienstleitung
03.01.2017 Besuch vom WDR
20.12.2016 Prüfung erfolgreich absolviert
29.11.2016 Dennis erweitert das Palliativ-Care-Team
03.11.2016 Smart Service Power
01.10.2016 24 Jahre Pflegedienst Hübenthal
30.09.2016 Herzlichen Glückwunsch
01.09.2016 Neue Azubis
10.05.2016 Qualifikation zur Betreuungsassistentin
29.04.2016 MDK-Note 1 bestätigt
02.03.2016 Steigende Zahl an Schmerzpatienten
23.02.2016 Hausnotruf als haushaltsnahe Dienstleistung
01.02.2016 Zusatzqualifikation
01.01.2016 Thomas Badel feierte 20-jähriges Dienstjubiläum
10.11.2015 Besuch der Altenpflege Messe
01.08.2015 Neue Kollegin für das Service- und Beratungsbüro
01.08.2015 Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen beginnt
01.08.2015 Neu in der Verwaltung
01.01.2015 Pflegestärkungsgesetz ab 01.01.2015 in Kraft
15.12.2014 Stellenangebot
13.12.2014 Aufbaulehrgang Behandlungspflege
11.11.2014 Ausbildung zum Ausbilder
16.09.2014 Pain Nurse
05.07.2014 Moderne Kommunikationswege
07.05.2014 Jahresbericht des Palliativ- und Hospiznetz Dortmund
12.03.2014 Weiterbildung zum Wundexperten
10.01.2014 Altenpflegeausbildung
07.06.2010 Kostenloser Hausmeisterservice
21.04.2010 MdK Note "Sehr gut"
03.02.2010 Neue Pflegesätze
23.04.2008 Zivildienststellen
25.05.2007 Jetzt auch Palliativpflege
30.01.2004 Zertifiziertes Wundmanagement
12.09.2002 Pflegedienst Hübenthal wird 10 Jahre - Profitieren Sie von unserem Angebot
01.06.2002 Im Januar 2002 trat das Pflegeleistungsergänzungsgesetz in Kraft
04.05.2002 Kompressionsstrümpfe
01.05.2002 Der Pflegedienst Hübenthal ist jetzt auch Ausbildungsbetrieb